Grenadiere

Die Grenadiere sind – neben den Jägern und Sappeuren – Schützen der ersten Stunde im Delrather Bürgerschützenverein.
Von niederrheinischen Schützengesellschaften wird vielfach geschildert, dass nur verheiratete Männer den Grenadieren beitreten durften.
Von Delrath ist dies seitens des Schützenvereins zwar nicht in Form von Auflagen überliefert, doch vereinigten sich auch in Delrath überwiegend die jüngeren Schützen in Jägerzügen und die älteren bei den Grenadieren.
Das ist – von Ausnahmen abgesehen – auch heute noch so, und hat den offensichtlichen Grund, dass sich die Jungen mit Frack und Zylinder noch nicht identifizieren können.
Im Volksbrockhaus von 1970 steht unter Grenadier recht sachlich: „Grenad´ier (franz.) – ursprünglich Infanterist, der Handgranaten warf, später einfacher Soldat.“
In einer 250 Jahre alten Enzyklopädie liest es sich ausführlicher (verkürzt): „Grenadier, Grenadiers – gehören zur Infanterie. Sie sind kein besonderes Bataillon, sondern marschieren an der Front eines jeden Bataillons und sind eine besondere Miliz. Sie haben auch mehr zu tun, als eine Granate zu werfen. Der Grenadier wird da eingesetzt, wo es besonders gefährlich zugeht. Daher musste er noch ein Ober- und Untergewehr tragen. Man erwählt hierzu ansehnlich, starke, ausdauernde Leute aus, aus jeder Kom­panie etwa 8 – 10 Mann. Statt eines Hutes tragen sie eine große Grenadiermütze und in den großen Patronentaschen führen sie drei eiserne, gefüllte, fertige, mit Blasen verbundene Granaten.“
Und 1825 stand im Rheinischen Conversations-Lexicon (auszugsweise):
„Grenadiers, Grenadier – Um die Granaten zu werfen, musste man eine Anzahl beherzter Krieger auswählen, welche kühn genug waren, dem Feind bis auf eine geringe Weite entgegenzurücken. Diese Truppe wurde daher vielfach ausgezeichnet; sie hatte den Vorzug, bei Angriffen voranzugehen, um bei schwierigen Unternehmungen die Ehrenposten zu erhalten.“
Wie friedlich und menschlich liest sich dagegen die Entstehung der heutigen Grenadieruniform: Um 1823 suchten Schützen in Neuss einen möglichst einheitlichen Anzug. Preiswert musste er sein, denn Geld war knapp. Zudem bestand ein Verbot, preußische Uniformen oder Uniformteile zu tragen. Da nahm man einfach den Sonntagsstaat: schwarzer Frack und Zylinder. Der Rock änderte sich im Laufe der Zeit je nach Mode – Frack, Gehrock oder Cut. Da dem Grenadiercorps vorwiegend verheiratete Männer beitraten, war ihnen der Frack o. ä. von der Hochzeit an vertraut als sonn- und festtägliche Ausstattung. Aus preußischen Beständen durfte man weiße Drillichhosen und Gewehre entleihen. Fertig war der Grenadier. Später trugen Oberleutnant und Leutnant den blauen Waffenrock im Schnitt der preußischen Armee und den „Zweispitz“, auch „Bonaparte“, genannt – obwohl Napoleon Bonaparte einen völlig anderen Hut trug. Eine der schönsten Schützenuniformen war geboren.
Als Gewehre verboten wurden, schlug die Stunde des Holzgewehrs. Und sollte noch immer einer den Schützen etwas Militärisches unterstellen, mit dem Blumenschmuck im Lauf des Holzgewehrs geben diese Schützen darauf eine entsprechende Antwort.