Edelknaben

Allgemein und gerne werden Pagen, die sich bis in das Mittelalter zurückverfolgen lassen, als Vorläufer unserer heutigen Edelknaben herangezogen.
Bei einem Vergleich dieser mittelalterlichen Pagen mit unseren heutigen Edelknaben muss man, wie bei allen Schützengattungen allerdings Abstriche machen. Selbst die „Uniform unserer Kleinen“ hat keine historische Überlieferung.
Dass aber der Name „Edelknabe“ ein Neuzeitname ist, widerlegt die Geschichte. Hier ist überliefert, dass die Pagen des Wiener Hofes bereits unter Kaiserin Maria Theresia „Edelknaben“ genannt wurden. Sie bildeten eine Elite, in der nur Söhne adliger Familien mit guten Schulleistungen aufgenommen wurden.
Beleuchten wir doch einmal die Vorläufer unserer heutigen Edelknaben. Wir geben damit auch unserer Fantasie freien Lauf, mögliche Parallelen unserer heutigen Edelknaben zu den einstigen mittelalterlichen Pagen zu finden.
Als früher, in der Hochzeit des Ritterwesens, ein Junge sein 7. Lebensjahr erreicht hatte, musste er die Burg seiner ritterlichen Eltern verlassen und ging als Page zu einem anderen Ritter. Dort sollte er auf das Erwachsenenleben vorbereitet werden.
Ausgebildet wurde der Junge zunächst in praktischen Fähigkeiten wie Reiten, Fechten, Ringen, Lanzenstechen sowie der Pflege von Waffen und Ausrüstung. Doch auch die höfliche Lebensweise, Umgangsformen und die guten Sitten standen auf dem Lehrplan. Als Bediensteter seines Herrn half er diesem beim Ankleiden und führte für ihn Botengänge durch.
Mit 14 Jahren begann dann die eigentliche Ausbildung zum Ritter. Als Knappe war er der ständige Begleiter seines „Pflege­vaters“. So war er bei allen Verwaltungsakten und bei Gerichtstagen anwesend, stand bei Turnieren, aber auch in Kämpfen, seinem Herrn zur Seite.
Es wird auch vermutet, dass sich einige Könige ein sogenanntes Pagencorps hielten, das sie als lebendes Schutzschild vor eindringlichen Feinden benutzten. Vielleicht ist aus diesem Grunde das Edelknabencorps heute ständiger Begleiter des amtierenden Schützenkönigs bei offiziellen Anlässen und bildet stets die Spitze der Königsabordnung.
Über die Uniform bzw. Kleidung von Edelknaben ist historisch nichts überliefert. Die Uniform oder – besser gesagt – die Kleidung der Edelknaben, wie man sie heute kennt, ist ein aus einer Zwangs­situation entstandenes Zufallsprodukt. In Notzeiten, wie etwa nach den Weltkriegen, hat man selbst Kommunionsanzüge zur Edelknabenkleidung umfunktioniert. So kann man selbst heute bei den einzelnen Schützenvereinen in unserer näheren Umgebung zwar eine Annäherung, aber keine totale Übereinstimmung in der Kleidung feststellen. Jedes Edelknabencorps für sich ist nach den jeweiligen Vereinsrichtlinien einheitlich gekleidet, adrett und wohltuend unmilitärisch anzusehen.
Und jeder Schützenverein, wie es der Delrather Schützenverein bereits praktiziert, wäre gut beraten, diesen Zug der Jüngsten im Regiment für jeden Jungen zu öffnen. Denn die Edelknaben von heute sind die gestandenen Schützen von morgen.