1947 wurde ebenso verfahren. Auf dem Schulhof (heutiger Spielplatz der Kindertagesstätte „Villa Bunte Wolke“ an der Gabrielstraße) wurde das Karrenrad mit der Leiter aufgestellt. Den Kopf des Königshahnes trennte August Kollenbroich vom Rumpf, und wurde damit Hahnekönig 1947. Diese beiden Hahnekönige wurden nach dem Wiederaufleben des Schützenvereins als Könige des Vereins anerkannt und erhielten einen Platz auf der Königskette.

Im März 1948 war es dann soweit, dass mit Genehmigung der Militärregierung die Schützenvereine ihre Tätigkeit wieder aufnehmen durften. Peter Klasen, Bernhard Meuter, Georg Dappen, Fritz Hübinger und Peter Stammen luden zum 7. März 1948 die alten Mitglieder des Vereins und alle interessierten Bürger zu einer Versammlung in die Gaststätte Linnartz ein. Wie aus dem Protokollbuch zu entnehmen ist, erschienen neben 42 ehe­maligen Mitgliedern auch interessierte Bürger. Fritz Hübinger eröffnete die Versammlung und gab den Anwesenden bekannt, dass das Verbot der Vereins­gründung durch die Militärregierung aufgehoben sei; es stünde somit einer Weiterführung des Schützenvereins in Delrath nichts mehr im Wege. Einstimmig war der Beschluss der Versammlung, den Schützenverein in der alten Form wieder ins Leben zu rufen. Daraufhin übernahm Peter Klasen den Vorsitz, und leitete die nötige Vorstandswahl. Sämtliche Vor­standsmitglieder wurden einstimmig ge­wählt und nahmen die Wahl an. Es waren folgende Herren: 1. Vorsitzender Fritz Hübinger, 2. Vorsitzender Wilhelm Brauers, 1. Kassierer Bernhard Meuter, 2. Kassierer Georg Dappen, 1. Beisitzer Peter Stammen, 2. Beisitzer Johann Olpen. Die Posten des 1. und 2. Schriftführers konnten nicht besetzt werden. Fritz Hübinger übernahm kommissarisch bis zur nächsten Versammlung diese Ämter. Regimentsoberst wurde der bis zum Ausbruch des Krieges als Grenadiermajor tätige Peter Klasen.

Erfreulich war an diesem Tage, dass sich ca. 35 neue Mitglieder anmeldeten. Herbert Kopenhagen meldete einen neuen Jägerzug mit dem Namen „Edelweiß“ an. Der Vorstand wurde von der Versammlung beauftragt, das Schützenfest vorzubereiten.

Auf der ersten Generalversammlung im Juli 1948 wurde die Vereinssatzung verlesen und genehmigt. Die Mitglieds­beiträge wurden auf 4 DM für Mitglieder einschließlich Damenkarte und 3 DM für Jugendliche festgesetzt. Wieder meldeten sich 20 neue Mitglieder. Hans Giesen wurde zum 1. Schriftführer und August Schmitz zum 2. Schriftführer gewählt.

Das Schützenfest fand in altgewohnter Weise am ersten Sonntag im September statt. Die Beschaffung von Uniformen war zu diesem Zeitpunkt noch nicht möglich. So marschierte das Regiment in Zivilkleidung. An der Zinkhütte hatte sich ein neuer Grenadierzug gegründet, dessen Zugführer war Michael Zaum. Eine Absprache zwischen dem Oberst und Michael Zaum besagte, dass man nicht mit dem ganzen Regiment zur Zinkhütte ziehe, es sei denn, der König wohne dort. Die neu geschaffene Königskette, die wie die alte von der Firma Bloemacher in Neuss angefertigt wurde, konnte bei der Krönung am Dienstagabend dem Hahnekönig Robert Bosbach überreicht werden. Die neue Kette hat auf der Mittelplakette eine Gravierung, welche die Neugründer des Vereins nachweist. Eine andere Gravur besagt, dass die erste Kette 1945 von amerikanischen Soldaten entwendet wurde.

Der Leser wundert sich sicherlich über den Titel Hahnekönig bei einem Schützen­verein. Die Militärregierung hatte zwar das Vereinsleben wieder gestattet, aber nicht das Schießen. Man übernahm deshalb das Hahneköppen zur Ermittlung des Königs. Die Bilanz des ersten Schützenfestes nach dem Krieg war erfreulich. Es war ein schönes Volksfest in alter Tradition und was wichtig war, die Kasse stimmte.

Im Jahr 1949 gab es eine Änderung innerhalb des Vorstandes. Der 2. Schriftführer August Schmitz legte wegen beruflicher Überlastung sein Amt nieder. Durch die Versammlung wurde Willi Wünsch an seine Stelle gewählt. Es wurde eine Sterbekasse eingeführt. Jedes Mitglied zahlte beim Ableben eines Schützenkameraden 0,50 DM in diese Kasse. Davon wurde zum Begräbnis der Kranz und die Musikkapelle bezahlt.

Zum Schützenfest 1949 zog das Regiment erstmals wieder in Uniformen durch den Ort. Ein Sappeurzug, drei Grenadierzüge, ein Zug Schill'sche Offiziere und acht Jägerzüge bildeten das von Oberst Klasen geführte Regiment. Grenadiermajor war Peter Stammen, Jägermajor war Wilhelm Weber.

Wie im Vorjahr musste auch dieses Mal der König durch Hahneköppen ermittelt werden. König wurde der spätere Ehren­präsident Georg Dappen.

Hier soll eine Begebenheit aufgezeichnet werden, die Schützenkameradschaft und Treue widerspiegelt. Es war Montag­nachmittag während des Schützenfestes 1949. Die Schützen versammelten sich am Bahnhof zum Abmarsch zur Zinkhütte, um dort die Nachmittagsparade abzuhalten. Da wurde bekannt, dass der Schützenbruder Johann Cremer, der immer noch in russischer Kriegsgefangenschaft war, mit dem Heimkehrerzug am Nachmittag erwartet wurde. Spontan wurde der Abmarsch verschoben. Schützen und Musikkapelle begaben sich auf den Bahnsteig und warteten auf den Zug, der ihren Kameraden aus der Gefangenschaft zurückbringen sollte. Als Johann Cremer dann dem Zug entstieg, war er ob dieses Empfanges überwältigt, so dass er eine Weile brauchte, bis er seiner Rührung Herr wurde. Zunächst begab man sich in die Bahnhofsgaststätte, um einen Will­kommenstrunk zu nehmen. Danach wurde Johann Cremer mit seinen Angehörigen in die Schützenformation genommen und mit Musik durch den Ort, wo er von vielen Bewohnern stürmisch begrüßt wurde, zu seiner Wohnung an der Zinkhütte geleitet.

Das Jahr 1950 wurde vom damaligen Vorstand zum Jubiläumsjahr erklärt. Wenn man nachrechnet, muss man feststellen, dass hier ein Irrtum vorlag. Man feierte zwar das 25. Schützenfest, wenn man die Kriegsjahre hinzuzählt, aber der Verein bestand erst 24 Jahre.

Die Situation in den zur Verfügung stehenden Sälen zwang zu einer anderen Lösung. So hat man, auch im Hinblick auf das Jubiläumsfest, beschlossen, ab sofort die Schützenfeste wieder in Zelten abzuhalten. Das Zelt für 1950 stellte die Firma Peter Barrawasser aus Vanikum. Den Ausschank übernahmen der Delrather Wirt Ferdinand Schlüter und der Vereinswirt Heinrich Schmitz (ehemaliger Wirt der Bahnhofsgaststätte). Letzterer war ein großer Freund und Gönner des Schützenvereins.

Im Protokollbuch kann man wieder interessante Begebenheiten nachlesen. So konnte beim Oberstehrenabend am 22. Juli 1950 das langjährige Vorstands­mitglied Anton van Houtte, der einige Tage vorher aus der Kriegsgefangenschaft heimgekehrt war, recht stürmisch begrüßt werden.

Der Vorsitzende Fritz Hübinger konnte den Mitgliedern mitteilen, dass in diesem Jahr wieder nach Schützentradition der König durch Abschießen des Königsvogels ermittelt werden konnte. Man entschloss sich, mit Kaliber 4,5 mm zu schießen; der Vogel wurde dem Kaliber entsprechend leicht gebaut. Königsbewerber mussten 21 Jahre alt, das heißt volljährig, und mindestens ein Jahr aktives Mitglied sein. Es war auch nicht mehr möglich, einen anderen für sich schießen zu lassen. Dieses war einstimmiger Versammlungsbe­schluss. Auch durften die Chargierten, aber nur im Festzug, wieder Degen tragen. Im Zelt durfte auf keinen Fall der Degen umgeschnallt bleiben.

Das im Jahre 1949 nach dem Schützenfest gegründete und am 15. Oktober 1949 vom Artillerie-Major Hermann Teusch im Verein angemeldete Artillerie-Corps konnte schon am Schützenfestsonntag bei der heiligen Messe seine Standarte weihen. Ebenfalls 1949 gegründet, aber erst 1950 dabei waren die Blauen Husaren, die in diesem Jahr als Rote Husaren mitmachten. Das „Jubiläumsfest“ aus Anlass des 25. Schützenfestes war Pressemeldungen der NGZ zufolge ein gut organisiertes, schönes Heimatfest. Die Delrather Bürger hatten durch reichlichen Fahnen- und Girlandenschmuck den Ort festlich gestaltet. Oberst Klasen führte ein wiederum größeres Regiment in gewohnt sauberer Ordnung durch die Straßen. Im Fackelzug am Samstagabend wurden zwei Großfackeln, die den Berichten zufolge prächtig gebaut waren, vom 4. Jägerzug und vom Zug Zinkhütte mitgeführt. Der Sonntagmorgen sah bei der Jubilarehrung nicht weniger als 34 Schützen als 25jährige Jubilare auf der Bühne. Der 1. Vorsitzende Fritz Hübinger fand Worte der Dankbarkeit für diese Treue zum Verein. Das von vielen Dorfbewohnern mit­verfolgte Königsschießen am Festzelt in der Nähe des Bahnhofs sah als neuen Schützenkönig Konrad Derichs. Das Fest klang am Dienstagabend mit der traditionellen Königskrönung zu aller Zufriedenheit aus.

Die nach dem Schützenfest 1950 anstehenden Vorstandswahlen brachten einige Veränderungen. So wurde mit einem einstimmigen Ergebnis Georg Dappen zum 1. Vorsitzenden gewählt. Mit der Wahl dieses Mannes begann für ihn eine 22jährige, ununterbrochene Amtszeit als 1. Vorsitzender. Für Delrath wurde der St. Hubertus Bürgerschützenverein und Georg Dappen ein unzertrennlicher Begriff. 2. Vorsitzender wurde, ebenfalls einstimmig, Wilhelm Deutzmann. Der 1. Kassierer Bernhard Meuter wie der 2. Kassierer Mathias Krämer wurden im Amt bestätigt. Zum 1. Schriftführer wählte die Versammlung Toni Engels und zum 2. Schriftführer Willi Wünsch. Beisitzer wurden Lorenz Thuir und Josef Faßbender.

Die erste Amtshandlung des neu gewählten 1. Vorsitzenden war, die Vorstandswahlen von jährlicher auf dreijährige Folge zu verlängern. Dieses wurde von der Versammlung begrüßt und einstimmig beschlossen.

Nach etwa sechsmonatiger Tätigkeit als 2. Schriftführer verstarb Willi Wünsch. Für ihn wurde Hauptlehrer Anton van Houtte in den Vorstand gewählt.

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