Am 10. September 1931 - Arthur Bützler hatte mittlerweile den Vorsitz des Vereins übernommen - forderte der Vorstand in einem Aufruf in der NGZ alle Bürger zur aktiven Mitgliedschaft auf. Ebenso wurde um Beflaggen der Häuser für das „Dorffamilienfest“ gebeten. Bei dem eine Woche später abgehaltenen Schützenfest wurde Wilhelm Brauers Schützenkönig.

Das Schützenfest 1932 war nicht wie sonst üblich mit gutem Wetter gesegnet. Es regnete unaufhörlich, und nur mit großem Glück konnte die Sonntagsparade durchgeführt werden. Am Montag besserte sich das Wetter, so dass das Vogelschießen normal verlaufen konnte. Schützenkönig wurde Jacob Thielen.

Eine der dunkelsten Epochen der jüngeren deutschen Geschichte begann mit dem 30. Januar 1933. Reichspräsident Paul von Hindenburg berief Adolf Hitler, den Führer der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) zum Reichs­kanzler. Die damit gegründete Diktatur, die alles im Staate kontrollierte, nahm auch Einfluss auf sämtliches Vereinsgeschehen. So musste auch der St. Hubertus Bürger­schützenverein sich den neuen Gegeben­heiten anpassen.

Von nun an bis zum Ausbruch des 2. Weltkrieges im Jahre 1939 musste der Vorstand des Vereins es sich gefallen lassen, dass bei den Versammlungen Beobachter der NSDAP anwesend waren. Ebenso nahm die Partei Einfluss auf die Wahl der Vorsitzenden. Ab 1934 musste der Vorstandsvorsitzende Parteimitglied sein. Der Vorsitzende durfte sich nicht mehr Präsident oder 1. Vorsitzender nennen, sondern Vereinsführer. Fahnen durften nur noch mit einem Hakenkreuz­wimpel versehen während der Feste mitgeführt werden. Wegen seiner Mit­gliedschaft im „Stahlhelm“ (zunächst ein Zusammen­schluß von Soldaten des 1. Weltkrieges, ab 1924 auch von Nichtkriegsteilnehmern) musste 1934 der bis dahin amtierende Oberst Hermann Teusch, der für den Verein unermüdlich tätig war und auch viel in finanzieller Hinsicht getan hatte, abdanken. Sein Nachfolger wurde Wilhelm Longerich, der vielen als „Ames“ bekannt war.

Hier sei erlaubt, einiges zur Person von „Ames“ Wilhelm auszusagen. Schnauz­bärtig und kleinwüchsig ritt er immer das größte Pferd im Regiment. Um auf den Rücken des hohen Pferdes zu gelangen, bedurfte es einiger Vorbereitungen. Zu­nächst wurde das Hoftor geschlossen, um keine Zuschauer zu haben. Dann musste ein Stuhl als Leiter dienen, damit der Oberst aufsitzen konnte.

Zum Schützenfest 1933 hatte der Vereinsführer Heinrich Wünsch mit seinem Vor­stand als Ehrengäste u. a. Gauleiter Staats­rat Florian und Kreisleiter Erich Borger geladen. Oberst Hermann Teusch, Grenadiermajor Peter Klasen und Jägermajor Wilhelm Weber konnten den Herren ein sauberes Regiment vorführen.

Waren es die widrigen Zeitumstände oder woran lag es, dass sich in diesem Jahre kein Bewerber für die Königswürde fand? Aus diesem Grund blieb Jacob Thielen Schützenkönig für das Jahr 1933/34. Dieses war und blieb bis heute das einzige Mal, dass ein Schützenkönig mangels eines Nachfolgers die Königswürde für ein weiteres Jahr übernahm.

Das Jahr 1934 hätte schon das Ende des Delrather Bürgerschützenvereins sein können. Es sollte auf Weisung der Partei ein Zusammenschluss der Nievenheimer und Delrather Schützenvereine erfolgen. Einstimmig lehnten die Delrather Bürgerschützen dieses Ansinnen ab, mit dem Hinweis „Lieber geben wir jedes Vereinsleben auf“. Dass die Partei dieses akzeptierte und den Verein bestehen ließ, ist heute fast nicht vorstellbar. Bei wechselhaftem Wetter wurde das Schützenfest 1934, wie die Presse zu berichten wusste, ein sehr Stimmungsvolles. Das Königsvogelschießen, welches auf dem damaligen Sportplatz (Nähe Bahnhof) stattfand, fand kein frühes Ende. Es mussten Scheinwerfer aufgestellt werden, damit der Vogel von der Stange geholt werden konnte. Anton Neng war der Glückliche, dem der Königsschuss gelang.

Da die Säle in Delrath dem mittlerweile stark vergrößerten Regiment und dessen Gästen nicht mehr genug Platz boten, wurde 1935 zum erstenmal in einem Zelt Schützenfest gefeiert. Wie man in der NGZ nachlesen kann, hat Delrath noch nie in einem derartigen Fahnenschmuck und Lichterglanz gestanden. Wie in den Jahren vorher wurde auch dieses Fest vom Tambourcorps Stürzelberg eröffnet. Während die Schützen am Sonntagmorgen beim Frühschoppen saßen, zogen die Garde-Grenadiere und Jäger zum Friedhof nach Nievenheim, um ihrer kurz vor dem Fest verstorbenen Kameraden zu gedenken. Die Garde-Grenadiere standen am Grabe ihres „Spieß“ Josef Borghartz, für den Oberst Wilhelm Longerich Worte des Gedenkens sprach und einen Kranz niederlegte. An den Gräbern der Jäger Wilhelm Wolters und Leo Hoube fand Leutnant Fritz Hübinger Worte des Gedenkens. Zum Trommelwirbel dröhnte eine Ehrensalve über die Gräber der verstorbenen Kameraden. Die Parade am Sonntagnachmittag nahmen bei strahlendem Sonnenschein neben dem König Anton I. und dem Vorstand die Ehrengäste Ortsgruppenleiter Tappertzhofen und Bürgermeister Michael Pflücken ab. Erstmalig wurde im Zelt am Schützenfestdienstagabend der am Montag ermittelte König Peter Stammen zur Schützenmajestät 1935/36 gekrönt.

Interessant in diesem Zusammenhang ist nach Meinung der Chronisten, dass unmittelbar nach unserem Fest der Vorsitzende des Männergesangvereins „Sangeslust Delrath“ August Hermanns die Mitglieder zusammenrief, um das seit vier Jahren ruhende Vereinsleben wieder aufzunehmen.

Im Jahre 1936 musste auf Anweisung der Partei der Vereinsführer Wilhelm Wünsch sein Amt niederlegen. Auf einer Generalversammlung wählte man den Grenadiermajor Peter Klasen zum Vereinsführer. Bevor Peter Klasen sein erstes Schützenfest als Vereinsführer abhalten konnte, wurde bekannt, dass auch er nicht Mitglied der NSDAP war. Wiederum sorgte die Partei für die Neubesetzung der Vereinsführung. Vereinsführer wurde Jacob Grief.

Nicht beeinflussen konnte die Partei die Natur. So kann man in der NGZ nachlesen, dass in Delrath zum Schützenfest ein Fliederbaum, der im Frühjahr große duftende Blüten hatte, ein zweites Mal in Blütenpracht stand. Unter Führung des neuen Vereinsführers zog zum Schützenfest, welches ein wiederum ver­größertes Regiment sah, erstmals am Samstagabend der Fackelzug bis zur „Zinkhütte“. Ebenso fand am Montag­nachmittag erstmals eine Königsparade an der Zinkhütte statt. Dieses wurde in den Festablauf der folgenden Jahre als fester Bestandteil eingebaut.

Nicht für die heutige, sondern für spätere Generationen soll hier festgehalten werden, was die Delrather Bürger unter „Zinkhütte“ verstanden. Die Zinkhütte war ein am Silbersee gelegenes Hüttenwerk, ein Zweigwerk der Stolberger Zink AG. Für einen Teil der dort Beschäftigten war unmittelbar bei diesem Werk eine Wohnsiedlung gebaut. 1971 stellte die Zinkhütte Ihren Betrieb ein und wurde, wie auch die Siedlung, 1973 abgerissen. Lediglich vier Privathäuser blieben bis 1975 stehen. Anwohner dieser Siedlung waren Mitglieder des Vereins; das war der Grund für die Ausdehnung des Fackelzuges.

Den Chronisten sei erlaubt, an dieser Stelle die Schließung der Zinkhütte als ein auch für den Verein verlustreiches Ereignis anzumerken. War dieses Industrie-unternehmen doch seit der Vereins-gründung ein großer Gönner, der nicht nur mit Sachspenden, sondern auch finanziell nicht kleinlich war.

Wenn eingangs zum Jahre 1936 von einem wieder größeren Regiment gesprochen wurde, so ist es nicht verwunderlich, dass die Zinkhütter Kapelle Grün erstmalig mit zwei Musikzügen in Erscheinung trat.

Weiter ist zu berichten, dass im Festzug zum ersten Male der über die Grenzen von Neuss hinaus bekannte Üdesheimer Fahnenschwenker Theo Hanemann mitwirkte. Nach Pressemeldungen in der NGZ sollen die Delrather Bürger und Schützen Herrn Hanemann mit Blumen und Applaus bedacht haben, wie er es vorher noch nirgends erlebte. Die Presse berichtet weiter, dass der Vereinsführer Jacob Grief mit dem Ehrenschuss, stellvertretend für den „Führer“ Adolf Hitler, das Königsvogelschießen eröffnete, bei dem der Landwirt Johann Raukes die Königswürde errang. Als am Dienstag­abend das Regiment die neue Majestät mit dem Hofstaat an der Residenz abholte, erlebten die Mitglieder und die Zuschauer das erste Höhenfeuerwerk, welches in Delrath abgebrannt wurde.

Konnten die Chronisten bis hierhin auf Berichte der NGZ zurückgreifen, so ändert sich dieses ab Oktober 1936. Die „Nazis“ erteilten ein Verbot für das weitere Erscheinen der Zeitung. Erst am 15. Oktober 1949, vier Jahre nach dem 2. Weltkrieg, nahm sie ihre Arbeit und ihr Erscheinen wieder auf.

S. M. Johann I. mit dem Vereinsführer Jacob Grief und Oberst Longerich konnten zum Schützenfest 1937 mit einem sauberen Regiment durch den festlich geschmückten Ort ziehen. Ein in gewohnter Weise schönes und harmonisches Fest sah am Montag nach dem Königsvogelschießen einen strah­lenden neuen König. Es war das Mitglied des Jägercorps Johann Ingermann, der am Dienstagabend als Johann II. gekrönt wurde.

Auf der Generalversammlung nach dem Schützenfest wurde mit großer Mehrheit Josef Wirsch zum Vereinsführer gewählt. Um dieses Amt ausüben zu können, trat er in die NSDAP ein. Zum Dank dafür musste er nach dem Kriege, im Rahmen der Entnazifizierung, auf Weisung der Militärregierung, Aufräumungsarbeiten leisten. Vielleicht ist vielen bekannt, dass für Delrather die Familie Wirsch die „Hamäscher“ waren.

Im Jahre 1938 wird nach längerer Unterbrechung in den Vereinsbüchern wieder eine Frühkirmes erwähnt. Hat man bis dahin für die Mitglieder jährlich ein Winterfest veranstaltet, so ließ man mit dieser Frühkirmes den ganzen Ort an einem weiteren Fest der Schützen teilnehmen. Der Vereinsvorstand und der

Oberst waren weiterhin bemüht, den Verein zu vergrößern und immer neue Mitglieder zu werben sowie das Vereinsvermögen zu mehren.

Auch im Jahre 1938 bereiteten die Bewohner Delraths den Schützen zum Fest einen festlich geschmückten Ort, durch den samstags der Fackelzug mit Großfackeln unter großer Beteiligung, auch der Bevölkerung der umliegenden Orte, zog. Der Sonntag mit Kirchgang, Gefallenenehrung und Parade vor König Johann II. und Vorstand sowie geladenen Ehrengästen bei gutem Wetter, fand seinen Abschluss mit dem Königsball. Die Königswürde holte sich beim Vogelschießen der damalige langjährige 1. Kassierer Bernhard Meuter. Er wurde als Bernhard I. proklamiert.

Bernhard Meuter, bekannt als „Gasse Bernhard“, sollte als der König mit der ungewollt langen Regierungszeit von zehn Jahren in die Vereinsgeschichte eingehen. Der Grund dafür war der am 1. September 1939 - eine Woche vor dem Schützenfest, für welches die Vorbereitungen schon abgeschlossen waren - ausgebrochene 2. Weltkrieg. Anstatt mit dem Holzgewehr die Freuden eines Schützenfestes zu genießen, mussten einige Mitglieder schon mit dem Gewehr im Schützengraben für ihr Vaterland kämpfen. Das Vereinsleben kam vollständig zum Erliegen, was nicht heißt, dass eine Auflösung erfolgte. Wie an anderer Stelle zu lesen, haben gewisse Aktivitäten auch während der Kriegszeit nicht aufgehört.

An dieser Stelle sei es den Chronisten erlaubt, eine Zwischenbilanz zu ziehen und gleichzeitig die Vereinsarbeit zu analysieren. Wie aus Vereinsbüchern und Gesprächen mit älteren Mitgliedern zu erfahren ist, hat der Verein nicht nur für die Mitglieder, sondern auch für die Bürger, insbesondere die Kinder der Ortschaft, immer ein offenes Ohr gehabt.

Seit 1927 gehörte eine Kinderbelustigung auf Kosten des Vereins zum jährlichen Schützenfest. Am Schützenfestmontag konnten unter Aufsicht von Vereinsmitgliedern die Kinder des Ortes an Spielen wie Sackhüpfen, Eierlaufen etc. teilnehmen. Für die Sieger gab es Preise. Das von der Schule veranstaltete Martinsfest wurde vom Verein unterstützt. Die Musikkapelle bezahlte der Schützenverein. Sehr oft wurde der St. Martin von einem Chargierten des Vereins dargestellt. Eine Beteiligung an der Fronleichnamsprozession war selbstverständlich. Der Vereinsvorstand mit Schützenkönig und Vereinsfahnen gehörte immer dazu. Der Verein stellte eine Musikkapelle. Es fanden Sammlungen für die Verschönerung der Prozession unter den Schützen statt, die beachtliche Summen einbrachte. Ebenfalls stellte der Verein zum Volkstrauertag eine Abordnung und die Musikkapelle. Bei Goldhochzeiten innerhalb Delraths gehörte eine Abordnung des Vorstandes mit einem Geschenk zu den Gratulanten. Dieses gehört auch heute noch zu den Gepflogenheiten des Vereins. In den Kassenbüchern findet man immer wieder Eintragungen, die belegen, dass der Verein Spenden an Organisationen und andere Ortsvereine übergab. So erhielten der SSV Delrath und der Männergesangverein Delrath Spenden. Während des „Dritten Reiches“ wurden Spenden an das Winterhilfswerk, die NSDAP, die Sporthilfe und die Deutsche Arbeitsfront, sowie an die NS Frauenschaft gegeben. Zur Schulentlassungsfeier 1927 steuerte der Verein ebenfalls eine Spende bei. Ein ansehnlicher Betrag wurde auch für den Bau der heute noch bestehenden Delrather Pfarrkirche St. Gabriel übergeben.

Wenn man im Kassenbuch von 1926 bis 1928 blättert, kann man viele interessante Dinge erfahren. So ist dokumentiert, dass ein Glas Bier 30 Pfennige kostete, die Königskutsche für zwei Tage 18 Reichsmark. Der König bekam als „Königssold“ 100 Reichsmark. Ein Tambourcorps spielte für 75 Reichsmark alle vier Tage. Die Eintrittspreise zu den Veranstaltungen betrugen 1 Reichsmark. Gäste, die keinen Eintritt zahlen konnten, mussten dann allerdings für jeden Tanz 10 Pfennige Tanzgeld zahlen. Bei Damenwahl war es üblich, dass der Tanzpartner 10 Pfennige entrichten musste. In der Pause zwischen zwei Tänzen gingen zwei Schützen mit dem Teller zu den Tanzpaaren, um dieses Geld zu kassieren. Der Verein musste für seine Veranstaltungen bei der Gemeinde neben der Genehmigung auch die Eintrittskarten erwerben. 30 % des Eintrittspreises musste als „Lustbarkeitsteuer“ an die Gemeinde abgeführt werden. Für ein Schützenfest betrugen die Musikkosten für Straße und Säle einschließlich Tambourcorps 570 Reichsmark. Die Königskette in echtem Silber musste mit 275 Reichsmark bezahlt werden. Dieser Betrag wurde aus Spenden der Delrather Geschäftswelt und Landwirte aufgebracht. Die Vereinsfahne, ebenfalls durch Spenden finanziert, kostete 500 Reichsmark. Das Ausleihen einer Uniform ohne Hose musste der Schütze mit 3 Reichsmark und der Chargierte mit 4 Reichsmark bezahlen. Die Berittenen im Regiment bekamen die Pferde von den ortsansässigen Landwirten zur Verfügung gestellt. Lieferant für Munition war von 1926 bis 1972 die Neusser Firma Händeler-Hammermann und für Orden von 1926 bis 1977 die Neusser Firma Bloemacher. Ebenfalls war seit 1926 bis lange nach dem 2. Weltkrieg das Tambourcoprs Stürzelberg ständig in Delrath vertreten. Eine gute, nachbar­schaftliche Beziehung lag dieser Treue zu Grunde. Einige Spielleute und der Tambourmajor Andreas Heuser wurden vom Schützenverein für 25jährige Teilnahme am Delrather Fest geehrt. Überhaupt war die Stürzelberger Bruderschaft einer der Vereine, zu denen ein gutes und freundschaftliches Verhältnis bestand.

Wenn wir nun in der Vereinsgeschichte fortfahren, so darf man die Kriegsjahre nicht einfach übergehen. So hat der Vereinsvorstand an Schützen, die als Soldat auf Heimaturlaub waren, kleine Beträge zur Aufbesserung des Soldes ausgezahlt. Der Vorstand und die in der Heimat verbliebenen Schützen nahmen an den kirchlichen und nationalen Gedenktagen mit Abordnungen teil. Eine Feier aus traurigem Anlass fand am 23. September 1944 statt. Veranstalter war die „Jäger-Kompagnie 1926 Delrath“ in Verbindung mit der NSDAP, die im Gedenken an die bis dahin für Volk und Vaterland gefallenen Kameraden der Jäger-Kompanie eine Heldengedenkfeier ausrichtete. [Anmerkung des Chronik-Teams: Die Gründung der Jägerkompanie erfolgte erst im Jahre 1927.]

Man befand sich zu dieser Zeit in der Endphase des Krieges und alle Beteiligten waren sich wohl klar darüber, dass noch Viele Opfer des Völkermordes werden würden. Nicht nur die Soldaten an der Front, sondern auch die Bürger in der Heimat hatten Opfer zu bringen und Entbehrungen auf sich zu nehmen.

Der Luftterror forderte auch in unserem Heimatort Opfer. Als die feindlichen Truppen immer näher an die Grenzen Deutschlands rückten, und Jugendliche und ältere Männer als letzte Reserve zum Volkssturm geholt wurden, sammelte die NSDAP bei den Schützen die Uniformröcke ein, um den Volkssturm uniformieren zu können. Als der Krieg beendet war und die Besatzungsmächte in Deutschland zu sagen hatten, war einer ihrer Maßnahmen das Verbot jeglicher Vereinsbildung. Bei dem Einmarsch der amerikanischen Truppen in Delrath wurde von diesen bei Hausdurchsuchungen Vieles mitgenommen. Im Hause des Schützen­königs Meuter nahmen sie unter anderem die Königskette mit. Ebenso ver­schwanden die Böller, sogenannte „Katzenköpfe“.

Die Nachkriegszeit, die entbehrungsreicher als die Kriegszeit war, ließ erste Aktivitäten in Richtung Neubelebung des Vereins zum Abhalten eines Heimatfestes erkennen. Da das Verbot der Vereinsbildung von der Militärregierung streng überwacht wurde, waren alle Anstrengungen vergebens. Einige Mit­glieder, die sich als Kleintierzüchter betätigten, taten sich 1946 zusammen und ermittelten durch Hahneköppen einen Hahnekönig. Ein Karussell und eine Losbude waren der kleine Rummelplatz, der den Charakter einer Kirmes andeutete. Im Saal bei Schlüter war Tanz und auch die Krönung. 1946 hieß der Hahnekönig Johann Grün, in Delrath bekannt als „Grüns Ernst“

1926-1930 1931-1946 1947-1950 1951-1960
1961-1972 1973-1979 1980-1985 1986-1989
1990-1994 1995-1997 1998-1999 2000-2001