Artillerie

Man tat damals den Neusser Artilleristen – aus stadtgeschichtlichen und erst recht aus schützenfestlichen Gründen – sicherlich unrecht, sie in den Jahren 1851 bis 1855 zur Teilnahme an den Schützenfesten nicht zuzulassen. Denn keiner der Schützenverein-Artilleristen weit und breit – mit der Barbara als Patronin – wird in der Ausübung seines fröhlichen Schützenfesttreibens und in der Mitführung eines Geschützes etwas Verwerfliches oder gar Kriegerisches gesehen haben oder heute noch sehen.
Selbst nach dem 1. Weltkrieg, als die Besatzer alles unter die Lupe nahmen und verboten, was nach Militär aussah – sogar Degen blieben verboten – nahmen die Militärbehörden keinen Anstoß an diesen „Geschützen“. Doch wenn wir die Geschichte der Artillerie aufleben lassen, so war und ist sie zweifelsohne doch eng mit kriegerischen Auseinandersetzungen verbunden.
Die Artillerie (franz. Artiller‘ìe) ist eine mit Geschützen oder Raketenwerfern ausgerüstete Truppengattung. Die Anfänge der modernen Artillerie reichen bis zur Erfindung des Schießpulvers im 14. Jahrhundert zurück. Ursprünglich bildete sie eine Zunft.
Karl der Kühne (1433-1477) ließ das erste bewegliche Geschütz bauen; Schiffsgeschütze wurden schon seit dem 14. Jahrhundert verwendet. Die Artillerie wurde ständig weiterentwickelt; geringes Gewicht und große Beweglichkeit wurden gefordert. Friedrich der Große führte die reitende Artillerie ein. Große Bedeutung erlangte die Artillerie unter Napoleon I., der als erster den Wert des zusammengefassten Feuers erkannte. Um Mitte des 19. Jahrhunderts setzten erhebliche waffentechnische Verbesserungen ein.
Der 1. Weltkrieg ließ in Angriff und Abwehr wie im Kampf um Befestigungen den vielfach kampfentscheidenden Wert der Artillerie erkennen. Geschütze auf Schiffen, Eisenbahnwaggons und Kraftfahrzeugen sowie Flugabwehrgeschütze wurden entwickelt. In die Kriegsgeschichte gingen der 42cm-Mörser („Dicke Berta“) und das „Parisgeschütz“ mit 120 km Schussweite ein. Bis zum Ende des 2. Weltkrieges war die Artillerie des Feldheeres überwiegend pferdebespannt. Die Vielfalt der Artillerie hat sich bis in die heutige Bundeswehr fortgesetzt.
Zur Uniform: Die Artillerietruppe besaß überwiegend blaue Röcke. Die Artillerieoffiziere trugen einen roten Rock. Friedrich I., der Soldatenkönig, schaffte die rote Kleidung der Offiziere ab und schrieb die, von seinen Truppen allgemein getragene blaue Uniform mit roten Schoßumschlägen, vor. Der Helm der Artillerie war im allgemeinen derjenige der Infanterie – jedoch mit Kugelaufsatz anstelle der Spitze. Von dieser strengen Uniform wich nur die schwarze Mütze, mit einem kleinen Vorderschild versehen, ab. Als die reitende Artillerie aufgestellt wurde, änderte man die Uniform nicht; allerdings bekamen die Soldaten die unerlässlichen Kavalleriestiefel. Lediglich die sächsischen Artillerieregimenter sowie die reitende Abteilung des Feldartillerie-Regiments Nr. 12 trugen dunkelgrüne Waffenröcke.
Die Delrather Artillerie hat sich 1949 mehr aus praktischen Gründen als aus historischer Verbundenheit für die grüne Uniform des sächsischen Artillerieregiments entschieden.
Dass die Artilleriegeschichte soviel von Kriegen zu berichten weiß, wird aber den geselligen und friedliebenden Delrather Artilleristen nicht gerecht. Ist doch das von ihnen im Delrather Schützenregiment mitgeführte „Geschütz“ mit dem Namen „Ida“ ein äußerst friedliches, zu kriegerischen Aktionen nicht zu gebrauchendes, selbst gebautes Schmuckstück. Es verkündet unter anderem mit Böllerschüssen alljährlich den Beginn des Schützenfestes. Es ist ein schönes Bild, wenn die auf schweren Kaltblütern reitenden Artilleristen des Delrather Schützenregiments mit ihrem „Geschütz“ den Abschluss des Delrather Schützenzuges bilden.