2000-2001

Zu Beginn des Jahres 2000 liefen die Vorbereitungen für das 75jährige Vereinsjubiläum im Chronik-Team bereits auf Hochtouren. Unter anderem hatte dieses Team zwischenzeitlich auch den Vorschlag von dem Teammitglied Günter Blank aufgegriffen, für Delrath ein Dorfwappen zu gestalten. Unter Einbeziehung des Heraldikers Lothar Müller-Westphal aus Düren kam das heutige Delrath-Wappen zustande. Dieses Wappen wurde auf Antrag des Bürgerschützenvereins auch am 20. März 2000 vom Berliner Herolds-Ausschuss in die Deutsche Wappenrolle eingetragen. Das Chronikteam übernahm auch die Organisation der im Jubiläumsjahr geplanten Übergabe des Wappens an die Delrather Bevölkerung.

Nachdem Anfang Mai 2000 in Deutschland bereits hochsommerliche Temperaturen geherrscht hatten, fand das Frühlingsfest vom 19.-21. Mai 2000 bei nasskaltem Wetter statt. Am Samstagabend wurde ein „Bayerischer Abend“ im Festzelt veranstaltet. Die Paulaner-Brauerei hatte als Sponsor durch eine weiß-blaue Dekoration des Zeltes und der Bierpavillions ein entsprechendes Ambiente geschaffen. Im Ausschank sollte es – dem Motto entsprechend – Münchener Helles geben. Statt dessen wurde jedoch Weizenbier im 0,3 Liter-Seidel gereicht, was manchem Schützen zwar mundete, jedoch nicht gut bekam. Um auch die Gäste zum Mitmachen zu animieren, war für das beste bayerische „Trachtenpaar“ ein Gutschein von 300 DM ausgesetzt worden. Den Preis gewannen Dirk Grieß und Yvonne Grün.

Das stimmungsvolle und ansonsten harmonische Frühlingsfest wurde in der Nacht zum Sonntag durch einen unschönen Vorfall getrübt. Ein uniformierter Schützenbruder hatte, weil andere Personen in das von ihm bestellte Taxi eingestiegen waren, seiner Wut freien Lauf gelassen und die Fensterscheibe des Taxis mit der flachen Hand eingeschlagen. In den Verdacht dieser Tat kam durch eine unpräzise Täterbeschreibung Oberst Herbert Stodden. Obwohl dieser unzweifelhaft frei von jedem Verdacht war und auch die Aussage „Es war nicht der Oberst“ die Runde machte, hatte der Vorstand seine liebe Mühe, den Oberst auch in der Presse zu rehabilitieren.

Auf der Generalversammlung am 30. Juni 2000 wurde Rückblick auf das Frühlingsfest gegeben, das mit einem leichten Überschuss abgewickelt worden war. Einer längeren Erläuterung bedurften die GEMA-Gebühren, die mittlerweile einen nicht unerheblichen Kostenblock bei den öffentlichen Veranstaltungen ausmachten. An diesem Abend gab der Vorstand auch den Rücktritt des Jägermajors Werner Blank bekannt.

Auf der Generalversammlung am 25. August 2000, die gleichzeitig als Oberstehrenabend abgehalten wurde, stellte Oberst Herbert Stodden als neuen Jägermajor Josef Kürten mit seinem Adjutanten Thomas Knauf vor; und auch der Hubertusmajor Toni Koukola hatte mit Wilfried Stodden einen neuen Adjutanten erhalten. Einerseits stolz, andererseits aber etwas wehmütig, gab an diesem Abend der 1. Kassierer Gerd Levering die aktuelle Mitgliederzahl des Vereins bekannt. Mit 380 aktiven und 119 passiven, also insgesamt 499 Mitgliedern hatte man die magische Zahl von 500 Mitgliedern ganz knapp verfehlt.

Obwohl der Oberstehrenabend bei spätsommerlichen Temperaturen mit einem Umtrunk auf dem Schulhof der Henri-Dunant-Schule ausklang, bereitete dem Vorstand das Wetter für das nahende Schützenfest große Sorgenfalten.

Ein verhältnismäßig kühler und regenreicher Sommer ging zu Ende. Zahlreiche Sommergewitter waren auch in Delrath mit sintflutartigen Regenfällen einhergegangen. Das Unwetter am Schützenfestmontag des vergangenen Jahres war allen Schützen noch in guter Erinnerung. Bereits Anfang Juli waren im benachbarten Nievenheim sämtliche Schützenumzüge den heftigen Regenfällen zum Opfer gefallen. Und auch in Neuss und Dormagen-Horrem waren die Sonntagsparaden – eine Woche vor dem Delrather Schützenfest ! – wegen anhaltenden Regens kurzfristig abgesagt worden. Vollmundig erklärte aber der 1. Vorsitzende Hans-Dieter Longerich in seinem Grußwort an die Delrather Bürger: „Sollten eventuelle Regenwolken auftauchen, so werde ich gemeinsam mit unserem Diakon Peter Platz versuchen, diese zu vertreiben.“

Vom Freitag, 1. September 2000 bis zum Dienstag, 5. September 2000 fand das – unter Einrechnung der Kriegsjahre – 75. Schützenfest statt.

Die erste Veranstaltung, die Jugenddisco am Freitagabend, diesmal ausgerichtet von den „Discjockeys“ Stefan Forsthoff vom 10. Jägerzug „Wilddiebe“ und Christian Groß aus Dormagen, war mit 480 Teilnehmern wie im Vorjahr wieder gut besucht.

In der Nacht von Freitag auf Samstag zogen dichte Wolken auf, die am Samstagmorgen den befürchteten Dauerregen über Delrath ergossen. Trotz dieser Widrigkeiten wurde das Schützenfest mit dem kräftigen Böllern der Kanone Ida durch die Artillerie pünktlich um 12.00 Uhr eingeleitet. Und als hätte Petrus mit den Delrather Schützen ein Einsehen, schlossen sich am Samstagnachmittag die Himmelsschleusen. Alle Umzüge konnten trocken, und manchmal sogar mit etwas Sonnenschein, absolviert werden.

Beim Fackelzug am Samstagabend wurde nur eine einzige Großfackel mitgeführt. Der Grenadierzug „Sangeslust“, dem wegen der fehlenden Konkurrenz der erste Preis für die beste Fackel sicher war, erinnerte mit dem „Toni aus Tirol“ an die Showeinlage des Hubertusmajors Toni Koukola beim letzten Frühlingsfest. Während der gesamten Schützenfesttage sorgten in diesem Jahr jeweils fünf Tambourcorps und Kapellen für die musikalische Begleitung der Festumzüge.

Am Sonntagmorgen trafen sich die Schützen nach dem Besuch der Schützenmesse und der Feier am Ehrenmal im Zelt zur Ehrung zahlreicher verdienter und treuer Schützen. Schützenkönig Peter II. Michels verzichtete auf die übliche Gabe von Königsorden und überreichte stattdessen dem Delrather Tambourcorps eine Lyra. Tambourmajor Frank Klasen, Corpsvorsitzender Detlef Weber und der Spieler Sven Daverzhofen nahmen dieses königliche Geschenk freudig entgegen.

Spannung löste in der Bevölkerung und bei den Schützen die Frage aus, wer am Montagnachmittag neuer Schützenkönig und damit König für das Jubiläumsjahr des Vereins werden würde. Als Bewerber für die Königswürde traten der Hubertusmajor Toni Koukola sowie die Mitglieder des Delrather Tambourcorps Andreas Kuffel und Jörg Ritterbach an. 45 Schuss wurden benötigt, um um 17.44 Uhr den neuen König zu bestimmen. Der 32jährige Jörg Ritterbach hatte den Königsvogel mit diesem Schuss zum Wackeln gebracht, und während sich der Mitbewerber Toni Koukola bereits auf den Weg zu seinem nächsten Schuss machte, fiel der Vogel – überraschend für alle Beteiligten und für die Zuschauer – von der Stange. Der Mitbewerber Toni Koukola, der bereits zum siebenten Mal auf den Königsvogel geschossen hatte, erntete viel Mitgefühl, als Jörg I. Ritterbach als Jubiläumskönig 2000/2001 feststand.

Als Edelknabenkönig wurde Julian I. Eschenbruch, als Jungschützenkönig Mathias I. Kuhn und als Bogenschützenkönig Christoph I. Dohmen proklamiert.

In der Generalversammlung am 27. Oktober 2000, die in der Gaststätte „Zum Ännchen“ abgehalten wurde, standen unter anderem die Neuwahlen des Vorstandes auf der Tagesordnung. Unter Wahlleitung des Ehrenpräsidenten Günter Behrend wurden alle bisherigen Vorstands­mitglieder wiedergewählt und somit in ihren Ämtern bestätigt.

Aus redaktionellen Gründen endet bereits an dieser Stelle mit Stand November 2000 die Aufzeichnung der Vereinsgeschichte. Gerne hätten die Autoren noch über die Jubiläumsfeierlichkeiten im Jahre 2001 berichtet. Doch dieses bleibt späteren Chronisten vorbehalten.

Der Delrather Bürgerschützenverein hat bereits sein 75. Lebensjahr begonnen. Er kann mit Stolz auf die bisherigen 74 Jahre seines Bestehens mit vielen Höhen und wenigen Tiefen zurückblicken. Der amtierende Vorstand steckt voller Pläne zur Ausrichtung des nahenden Geburtstages. Die Organisation der Festlickeiten stellt für ihn die größte Herausforderung in seiner Amtszeit dar. Die Vorbereitungen laufen seit langem auf Hochtouren; aber durch die frühzeitig aufgenommene Planung ist der Verein auf seinen großen Geburtstag gut vorbereitet.

Die Autoren gestatten sich einen kleinen Ausblick auf die Festivitäten des Jubiläumsjahres. So ist das Frühlingsfest des Jubiläumsjahres vom 4. – 6. Mai 2001 festgelegt.

Für Sonnabend, den 19. Mai 2001 ist vom Bürgerschützenverein die Übergabe des Delrather Wappens an die Bevölkerung geplant.

An diesem Tag sollen an den Ortseingängen Delraths aus Richtung St. Peter, Gewerbegebiet Zinkhüttenweg und Nievenheim Ortswappen enthüllt werden. Drei Tambourcorps werden sternförmig zum Schulhof der Henri-Dunant-Schule marschieren, wo die Übergabe in einer offiziellen Feier stattfinden wird.

Ein Ortswappen soll auch in der Grundschule seinen Platz finden, um beim Delrather Nachwuchs die Verbundenheit zur Heimat zu fördern. An diesem Tag werden auch die Bürger Gelegenheit erhalten, Flaggen mit dem Delrather Wappen zu bestellen, damit das Dorf zu den Geburtstagsfeierlichkeiten festlich geschmückt ist.
Die 75jährigen Jubiläen des Bürgerschützenvereins und des Sappeurzuges werden während des Schützenfestes vom 1. – 4. September 2001 gebührend gefeiert. Durch die Einladungen der beiden Jubilare wird Oberst Herbert Stodden ein etwa 1.300 Schützen starkes Regiment mit voraussichtlich sieben Musikblöcken befehligen. Mit dem zu erwartenden farbenfrohen Spektakel auf Delraths Straßen wird dieser Schützenzug wohl als der Längste in die Vereinsannalen eingehen